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Zwischen Theorie und Praxis: Silke Ballath —

Silke Ballath ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HBK Braunschweig. Als Projektleiterin des Kollektivs sideviews hat sie 2018 mit zehn Jugendlichen und Anja Scheffer das Jugendgremium Schattenmuseum gegründet. 2021 war sie Co-Gründerin des Vereins Future Move. Im Rahmen kollaborativer Praxen erforscht sie den Zwischenraum von Schule und Kunst sowie die Relation von Theorie- und Praxis in der Kunstvermittlung und -pädagogik. Von 2011-2021 begleitete in Berlin sie sechs Schulen als Kulturagentin und war von 2014-2016 Co-Moderatorin der kontextschule. Sie schreibt ihre Dissertation bei Prof. Dr. Christine Heil und Prof. Dr. Nora Sternfeld. Ihr Fokus liegt auf der Zusammenarbeit von Lehrer*innen und Künstler*innen im Modellprogramm Kulturagenten für kreative Schulen. Aktuelle Projekte und Publikationen sind z.B. das Forschungsprojekt Situierung zwischen den Stühlen (sfkp.ch, Nr. 22, 2023), METTRAGE positionen-relationen erproben: Ein kollektives Nachdenken zum Klimawandel (sfkp.ch, Nr. 21, 2022).

Im Arbeitsalltag zwischen Theorie und Praxis
Von 2011 bis 2021 habe ich als Kulturagentin für kreative Schulen in Berlin gearbeitet und ab 2013 begonnen diese Praxis im Rahmen einer Promotion zu reflektieren. Für mich ist diese Theorie-Praxis-Relation – die Praxis theoretisch zu reflektieren und die Theorie in der Praxis zu erproben – eine wichtige Komponente meines Selbstverständnisses künstlerisch-edukativer Arbeitsweisen. Eine weitere Grundlage meiner künstlerisch-vermittelnden und forschenden Praxis ist das Arbeiten in unterschiedlichen Team-Konstellationen. Kollaborative Arbeitsformen eröffnen meiner Ansicht nach immer wieder die Möglichkeit, neu ausgelotet und verhandelt zu werden. Aushandlungsprozesse beispielsweise über Arbeitsweisen können dann unterschiedliche Haltungen und Situierungen in den Blick nehmen und ein Bewusstsein ausbilden, über das wie der Zusammenarbeit. Sie machen es auch leichter, die Arbeitsprozesse zu reflektieren und Momenten gemeinsam zu begegnen, die vielleicht nicht ideal verlaufen. Darüber hinaus ist mir in einer künstlerisch-vermittelnden und forschenden Zusammenarbeit immer wichtig, dass auch die einzelnen Situierungen und Positionierungen zur Disposition stehen: Weiße Flecken und strukturelle Reproduktionen – entlang derer Ungleichheitsverhältnisse (class, gender, race, ability) meist unbewusst und erneut hergestellt werden – können erst dann diskriminierungskritisch und intersektional in den Fokus gerückt und verhandelt werden. Ein erster Schritt ist das sich-bewusst-machen über das Unbewusstsein dieser weißen Flecken und strukturellen Diskriminierung. Mir geht es also einerseits darum, ein Bewusstsein für Ungleichheit auszubilden und dabei andererseits einen Umgang mit Spannungen, Resonanzen, Wandlungen, Widerständen und Kompliz*innenschaften zu entwickeln.

Welchen Rat hast du an Berufseinsteiger*innen und Kolleg*innen in der Kulturellen Bildung?
Ich glaube, das Sammeln unterschiedlicher Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur*innen (Künstler*innen, Kunst- und Kulturvermittler*innen, Lehrpersonen, Sozialarbeiter*innen, Schüler*innen, Kinder und Jugendliche in der Freizeit) und Organisationen (Kulturinstitutionen, Schulen, Stiftungen u.a.) ist eine wichtige Grundlage. Um beispielsweise Arbeitsprozesse gemeinsam zu reflektieren oder Ideen und Konzepte kollaborativ zu entwickeln, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und damit diese nicht Strukturen und weiße Flecken reproduzieren, ist es wichtig, dass auch ein Bewusstsein für diskriminierungs- und rassismuskritische Diskurse ausgebildet wird. 

Welches Buch hättest Du gerne schon früher gekannt?
Die Forschung von Donna Haraway hat mich und meine Praxis nachhaltig geprägt. Ihr Ansatz des Situierten Wissens und das Manifest für Cyborgs sind wichtige theoretische Grundlagen meiner künstlerisch-edukativen Arbeit: Haraway, Donna (1995): Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/New York: Campus.

 

Kontakt:
sballath@posteo.de oder Linked-In


Überblick künstlerisch-edukativer Projekte von Silke Ballath: 
https://side-views.com
https://schattenmuseum.de
https://urbane-botanik.de


Artikel von Silke Ballath:
"… um das Ende der Welt aufzuhalten!" - Ein kollektives Nachdenken zum Klimawandel
"Dies ist kein Pappkarton" - Welche Rolle spielen Museen und Ausstellungshäuser in unserer Gesellschaft?
"Hey Siri! Was ist ein Kurator?" – Eine Museumsforschung ohne Museum

 

Publikation von Silke Ballath:
Ballath, Silke/Schütze, Konstanze (Hg.): Situierung zwischen den Stühlen, Art Education Research, e Journal der SFKP, 22 [online] https://sfkp.ch/ausgabe/art-education-research-21-1 [aufgerufen am 29.12.2022].


Materialien von Silke Ballath:
Mettrage: Die eigene Perspektive positionieren und im Austausch weiterentwickeln
Urbanik in der Schule​​​​​​​​​: Werkzeug für forschendes Lernen zwischen Künsten und Naturwissenschaften 
Chillen und Kämpfen: Erfahrungen aus der künstlerisch-edukativen Projektarbeit austauschen und reflektieren


 

 


 

Zwischen Theorie und Praxis: Silke Ballath

Weitere Einblicke

Künstlerische Strategien in edukativen Kontexten: Eva Randelzhoferkontakt
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